Osterspecial im Autoren - Adventkalender

Autorenteam
Emanuel & Wolfgang

Willkommen hinter unserem Türchen vom:
01.04. Ostersonntag 

 

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Wolfgang:

    "Das Äußere soll euch diesmal nicht abhalten am Innern Freude zu haben.
    Bis Ostern liegt noch manches schwer auf mir."

    Osterspaziergang

    Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
    durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
    Im Tale grünet Hoffnungsglück.
    Der alte Winter in seiner Schwäche
    zog sich in rauhe Berge zurück.
    Von dorther sendet er, fliehend, nur
    ohnmächtige Schauer körnigen Eises
    in Streifen über die grünende Flur.
    Aber die Sonne duldet kein Weisses.
    Überall regt sich Bildung und Streben,
    alles will sie mit Farbe beleben.
    Doch an Blumen fehlts im Revier.
    Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

    Kehre dich um, von diesen Höhen
    nach der Stadt zurückzusehen!
    Aus dem hohlen, finstern Tor
    dringt ein buntes Gewimmel hervor.
    Jeder sonnt sich heute so gern.
    Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
    denn sie sind selber auferstanden.
    Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
    aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
    aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
    aus der Strassen quetschender Enge,
    aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
    sind sie alle ans Licht gebracht.

    Sieh nur, sieh, wie behend sich die Menge
    durch die Gärten und Felder zerschlägt,
    wie der Fluss in Breit und Länge
    so manchen lustigen Nachen bewegt,
    und, bis zum Sinken überladen,
    entfernt sich dieser letzte Kahn.
    Selbst von des Berges ferner Pfade
    blinken uns farbige Kleider an
    Ich höre schon des Dorfs Getümmel.
    Hier ist des Volkes wahrer Himmel.
    Zufrieden jauchzet gross und klein:
    Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!


    Selbstverständlich gab es gewisse zeitliche Schwierigkeiten, Wolfgang & Emanuel persönlich um diese ihre Beiträge zum Osterspecial zu bitten.
    Falls es bis zu dieser Stelle tatsächlich irgendjemand noch nicht glasklar geworden sein sollte, dem sei es mit Wolfgangs eigenen Worten erläutert:

    „Willst du den März nicht ganz verlieren, so lass nicht in April dich führen. Den ersten April musst überstehen, dann kann dir manches Gute geschehen.“

    Ein Ostersonntag am ersten April, was soll man heute bloß tun:
    Friede, Freude, Eiersuchen oder wüster Schabernack und Scherz?
    Was für ein Tag:
    „Zwei Seelen wohnen, ach!, in seiner Brust.“

    Auch darum bin mir sicher, Wolfgang hätte gegen diesen seinen Gastbeitrag zwischen den jungen Autoren nichts einzuwenden gehabt.
    So jonglierte er selbst doch gerne mit der Bedeutung der Feiertage, wie das Haseneier-Suchen am Gründonnerstag. Jedes Jahr lud er an diesem Tag Kinder in seinen Garten ein, wo er für sie Eier versteckt hatte.
    Damit begründete er eine eigene Tradition, in Weimar ist dieser Brauch bis heute lebendig.
    In diesem Sinne:


        Frohe Ostern!
        Und April, April ...


    "Osterspaziergang" aus: Faust 1
    & Zitate von Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), deutscher Dichter

    "Die Liebe gleicht dem April" & "Das Herz hat auch seine Ostern" von
    Emanuel Geibel (1815 - 1884), deutscher Lyriker und Dramatiker


Auf baldiges Wiedersehen und Wiederlesen
mit ansonsten zeitgenössischen Autoren und neuen Texten,
spätestens zum 1.12. im Autoren-Adventskalender.


Emanuel:

 

 

    Die Liebe gleicht dem April

     

    Die Liebe gleicht dem April:

    Bald Frost, bald fröhliche Strahlen,

    Bald Blüten in Herzen und Thalen,

    Bald stürmisch und bald still,

    Bald heimliches Ringen und Dehnen,

    Bald Wolken, Regen und Thränen -

    Im ewigen Schwanken und Sehnen

    Wer weiss, was werden will!

 

 

 

    Das Herz hat auch seine Ostern,

    wo der Stein vom Grabe springt,

    den wir dem Staub nur weihten.

    Und was du ewig liebst, ist ewig dein.

     

     

     

     

 

 

Frohe Ostern - Zeichnung von Nicole Fabert