Autoren - Adventkalender 2019

Michael Kneer

Willkommen hinter meinem Türchen vom:

24.12.

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Weihnachten mit Fynn und Ally

Kobold-Kinder Fynn und Ally Endlich war es dann soweit und Weihnachten stand vor der Tür. Fynn war schon den ganzen Advent hindurch in Hochstimmung, denn er liebte es, mit den anderen zusammen im Gemeinschaftsraum zu sitzen und beim Schein des Feuers die glitzernden Kugeln und Sterne zu beobachten, die sie überall im Zimmer aufgehängt hatten.

Am Nachmittag des Heiligabends dachte Fynn dann: Bald ist es soweit, mein erstes Weihnachtsfest. Nur noch wenige Stunden, dann wird es Nacht sein, wir werden Fondue essen und singen, dann wird es Bratapfel mit Zimt geben. Und dann, dann werden wir die Geschenke verteilen.
Fynn war mit seiner Wahl sehr zufrieden. Zusammen mit Emie hatte er sich überlegt, dass, wenn alle von Hendrik kleine Pfeifen zu Weihnachten bekämen, sie sich bestimmt auch über Halsbänder freuen würden, mit denen sie diese um den Hals tragen konnten. So hatte er, erst mit Emies Hilfe, später dann alleine, Abend für Abend an seinen Geschenken gearbeitet.

Doch es war noch so lange bis zur Bescherung. Draußen war es ja noch hell und alle waren vollauf mit den Vorbereitungen beschäftigt. Fynn ging zur Uhr ... es waren erst zehn Minuten vergangen. Mist. Na, das würde ja ein langer Nachmittag werden.
„Fynn“, hörte er Noah rufen, „kannst du mal bitte zu Hendrik kommen?“
„Ja, wo ist er denn?“
„Oben in seinem Arbeitszimmer, er hat irgendeine Überraschung für dich.“ Und etwas leiser, mehr zu sich selbst: „Mist, das hätte ich doch gar nicht sagen sollen.“
Eine Überraschung?, wunderte sich Fynn. Jetzt schon? In Hendriks Turm?

Er war noch nie auch nur weiter als zwei Schritte in diesem Turm gewesen. Vorsichtig, so als ob er mit dem Schlimmsten zu rechnen hätte, ging er durch die Tür. Dass hier alles kreuz und quer übereinander lag, wusste Fynn bereits. So ging er vorsichtig über das Durcheinander hinweg in Richtung Treppe.

Misstrauisch stieg er die Stufen empor. Jedes Stockwerk in diesem Turm bestand aus einem Zimmer. Gleich im ersten Stock war das Schlafzimmer. Stimmt, jetzt erinnerte sich Fynn wieder daran, dass Hendrik dies einmal erwähnt hatte. Früher war das Schlafzimmer einen Stock weiter oben gewesen. Aber weil Hendrik jede Nacht mindestens einmal zum Pinkeln musste, hatte er entschieden, dass es sich auf die Dauer lohnen würde, seinen nächtlichen Weg zur Toilette um eine Treppe zu verkürzen. Viel hatte er nicht verrücken müssen. Scheinbar war Hendrik ein sehr genügsamer Kobold. Das ganze Schlafzimmer bestand nur aus einem Bett, einem kleinen Schrank und einem Stapel Bücher neben dem Bett.

Im zweiten Stock war es ganz ähnlich. Hier war ein kleiner Holzofen, ein schäbiger, durch die Jahre abgewetzter Sessel und abermals Bücher über Bücher. Hendrik muss ein ungeheures Wissen haben, dachte sich Fynn.

Im dritten und letzten Stock war Hendriks Büro. Hier war es etwas voller. Die Wände waren mit Landkarten beklebt und entlang der Wand befanden sich Regale mit Büchern, Schriftrollen und Andenken, die Hendrik von seinen Reisen als aktiver Wächter mitgebracht haben musste. Fynn hatte erwartet hier einen großen, prunkvoll geschnitzten Schreibtisch vorzufinden. Doch scheinbar legte Hendrik wirklich keinen Wert auf solcherlei Dinge, denn lediglich ein kleiner Holztisch stand direkt vor einem großen Fenster. Für einen Moment war Fynn enttäuscht über diesen Anblick, doch als er durch das Fenster schaute und in die endlose Weite blickte, wurde ihm bewusst, dass selbst ein goldener Thron von diesem Ausblick in den Schatten gestellt werden würde. Hendrik wusste scheinbar besser als die meisten, auf was es im Leben ankam.

„Fynn, da bist du ja“, hörte er Hendriks Stimme mit einem Mal hinter sich. „Du hast wohl ein bisschen geträumt. Da du dich bestimmt fragst, warum ich dich herbestellt habe, mache ich es kurz. Ally hat eine Überraschung für dich.“
Fynn schaute sich um. „Ja? Aber wo ist Ally?“
„Sie kann leider nicht hier sein, denn sie muss noch ein paar Dinge vorbereiten. Aber die Idee ist von ihr und du sollst als Erster davon erfahren. Ally meinte, dass du doch noch nie wirklich in der Nähe der Menschen warst und von ihrer Kultur und Art zu leben nur aus den vielen Büchern weißt, die ihr gelesen habt. Deswegen will sie mit euch einen kleinen Ausflug machen, um dir die Welt der Menschen zu zeigen. Und welcher Tag wäre besser dafür geeignet als der Heiligabend?“
Fynn machte ein Gesicht, als hätte man ihm gerade einen Becher Glück zu trinken gegeben.
„Na, was meinst du?“
„Wi... wirklich? A... also ja ... natürlich sehr, sehr gerne.“ Dabei strahlte er über das ganze Gesicht.
„Na dann los“, meinte Hendrik. „Und mach dir keine Sorgen. Ihr werdet rechtzeitig wieder zurück sein, um hier mit uns zu feiern.“
„Wie, du kommst nicht mit?“, fragte Fynn.
„Nein, nein, lass mal. Ich hab das schon öfter gemacht und außerdem soll es ein kleiner Ausflug nur für euch Schüler sein. Das ist quasi Allys Geschenk für euch.“
„Apropos Ally, wo ist sie denn nun?“, wunderte sich Fynn.
„Sie ist unterwegs und holt ihre Eltern. Schließlich wollen wir hier alle gemeinsam feiern, nicht wahr? Übrigens solltet ihr warm eingepackt sein, sobald sie mit Grey und seiner Familie hier eintrifft.“
„Du meinst ihre Familie, oder?“, korrigierte ihn Fynn.
„Ja, auch, aber auch seine, also Greys Familie. Ihr fliegt heute mit ihnen zu den Menschen.“
„Oh ... cool ... na dann trommle ich mal die anderen zusammen.“

Eine halbe Stunde später standen alle voller Vorfreude zusammen oben an der kleinen Hütte. Sie konnten es kaum erwarten, bis Ally endlich mit Grey und seiner Familie hier eintreffen würde.
Besonders Shen-mi, die aus einem Land kam, in dem Weihnachten erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hatte, war gespannt, wie es hierzulande traditionell gefeiert wurde.

Endlich war der ersehnte Schrei zu hören und die Adler stiegen vom Tal empor. Sekunden später waren sie bereits über ihnen und setzten zur Landung an. Für Fynn war es immer ein beeindruckender und zugleich angsteinflößender Anblick, wenn ein Adler über ihm zur Landung ansetzte. Der Anflug von drei dieser Tiere war überwältigend. Für einen kurzen Moment verdunkelte sich der Himmel, und der Schnee um sie herum wurde durch die mächtigen Flügelschläge zu einem regelrechten Schneesturm.
Dann war es still. Allerdings nicht für lange. Schon war Allys Stimme deutlich zu hören: „Hey Leute, seid ihr bereit? Darf ich vorstellen, das sind Greys Frau Ava und sein Sohn Aris. Ma, Pa und Grey kennt ihr ja schon.“
Daraufhin begann ein ziemliches Durcheinander aus „Hallo“ und „Es freut mich, sie kennenzulernen“.

Als wieder etwas Ruhe eingekehrt war, meinte Ally: „Ich helfe nur schnell Ma und Pa die Geschenke nach drinnen zu bringen, dann können wir los. Ach ja, Pepe, du fliegst auf Aris. Er ist mit seinen neun Monaten zwar schon mehr oder weniger ausgewachsen, aber Grey meint er würde fliegen wie ein Bekloppter. Muss wohl am Teenager-Alter liegen. Jedenfalls hat er gesagt, dass er nur Pepe zutrauen würde auf ihm zu fliegen.“
Bei diesen Worten strahlte Pepe von einem Ohr zum anderen.

Kurze Zeit später waren sie in der Luft. Noah und Shen-mi flogen mit Ava. Ally hatte Fynn einen Platz auf Grey reserviert und Pepe, Pepe war genau da, wo er sein wollte. Auf dem Rücken eines Adlers, der nicht eine Sekunde ruhig geradeaus fliegen konnte. Ständig vollführten die beiden irgendwelche halsbrecherischen Flugmanöver oder waren dabei, im Sturzflug ins Tal zu düsen.
Erst als die Sonne am Horizont verschwand und die Dunkelheit über sie hereinbrach, reihten sie sich zu den anderen in die Formation ein und glitten lautlos durch die Nacht in Richtung der Lichter der Stadt.

Über dem Städtchen angekommen drehten die Adler in sicherer Höhe ihre Kreise und Ally erklärte Fynn, dass dies nur eine Kleinstadt sei und dass es auch noch größere Städte gebe. Dabei kicherte Shen-mi und erzählte ihnen, dass die Städte in China so groß seien, dass niemand genau wisse, wie viele Menschen wirklich dort wohnten. In ihrer Geburtsstadt Shanghai zum Beispiel würden offiziell ungefähr vierundzwanzig Millionen Menschen wohnen und man vermutete, dass es locker noch zehn Millionen mehr seien, die nur nicht registriert waren.
Das konnte Fynn nun wirklich nicht glauben. Das waren ja mehr als dreimal so viele Menschen in einer Stadt, wie es insgesamt Kobolde gab. Das kann nicht sein, dachte er sich. Nein, das kann nun wirklich nicht sein. Allerdings verwarf er seine Gedanken sogleich, als er von unten Musik hörte.
„Können wir dorthin?“, fragte er Ally.
Sie wandte sich an Grey: „Was meinst du? Können wir dort irgendwo landen?“
Und tatsächlich, er wusste von einem Storchennest auf einem Dach neben dem Marktplatz.
„Aber dürfen wir dort landen? Was, wenn die Störche das nicht wollen?“, fragte Fynn skeptisch.
„Mach dir darüber mal keine Gedanken“, meinte Grey. „Wir kennen die Störche schon eine ganze Weile. Früher hatten wir durch Hendrik einmal miteinander zu tun. Seither halten wir losen Kontakt zu ihnen und außerdem sind sie jetzt im Winter sowieso irgendwo in Afrika.“
„Ah, verstehe“, sagte Fynn, als sie sich schon auf dem Weg nach unten befanden.

Eine Minute später standen sie alle beisammen am Rand des Nestes und blickten nach unten. Fynn hatte es die Sprache verschlagen. Der ganze Platz war beleuchtet, überall waren Marktstände mit Essen, heißen Getränken und allerlei anderen Dingen. Es gab ein Kinderkarussell und auf den Stufen zur Kirche waren Menschen, die gemeinsam Lieder sangen. Überhaupt standen hier überall Menschen dicht beisammen. Und alle lachten oder waren zumindest in sehr festlicher Stimmung. Besonders die Kinder hatten ihren Spaß.
„Mama, Mama, darf ich noch mal mit dem Karussell fahren?“, hörte man eines der Kinder rufen.
Oder „Mama, Mama, bekomme ich Zuckerwatte bittöö?“, war auch ein beliebter Satz bei den Kleinen.

Es war herrlich. Fynn konnte sich gar nicht sattsehen an all dem fröhlichen Trubel.
„Was riecht hier so gut?“, wollte er wissen.
Ally, die daraufhin tief einatmete, meinte: „Bestimmt meinst du die gebrannten Mandeln. Die könnten wir oben in der Schule eigentlich auch mal machen, oder?“
Alle waren von diesem Vorschlag hellauf begeistert.
„Kommt, lasst uns nach unten gehen und ein wenig in die Häuser schauen“, schlug Ally vor.
Von diesem Vorschlag war Fynn nun nicht sooo begeistert. Schließlich bestand dort unten ein erhöhtes Risiko, gesehen zu werden.
Aber Ally beruhigte ihn. „Keine Sorge“, meinte sie. „Ich hab so etwas schon öfter gemacht. Kommt mit. Wir suchen Moritz den Kater, der hier immer herumstreunt. Bestimmt liegt er dort unten im Heu.“
„Wo im Heu?“, fragte Pepe.
„Na, da unten neben der Krippe. Siehst du dort die lebensgroßen Figuren der Heiligen Familie und die Tiere drum herum?“
„Ja.“
„Genau, und da hinter der Krippe im Heu pennt Moritz eigentlich den ganzen Advent durch und ernährt sich von den Dingen, die die Menschen fallen lassen. Wisst ihr, der Moritz ist nicht so der fleißige Typ. Er mag es eher gemütlich. Aber ich denke, für uns wird er schon einen kleinen Rundgang um die Häuser machen.“

Als Aris sie in kleinen Gruppen hinter dem Haus abgesetzt hatte, rannten sie um das Gebäude und schauten völlig außer Atem, zwischen den Sparren des Gartenzaunes hindurch, dem wilden Treiben auf dem Platz zu.
„Wie sollen wir bis zur Krippe kommen, ohne gesehen zu werden?“, fragte Shen-mi.
„Hm, ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung“, antwortete Ally etwas verlegen. „Ich denke, die Chancen stehen besser, wenn ich es allein versuche und wir euch dann hier abholen.“
„Aber ...“, setzte Fynn zu einem Protest an, doch da war Ally schon außer Hörweite. Flink rannte sie unterhalb eines Bordsteins entlang und verschwand hinter einer der Marktbuden.
Fynn hatte ein mulmiges Gefühl bei der Sache. Schließlich konnte sie bei jedem Schritt, den sie machte von einem Menschen gesehen oder, noch schlimmer, versehentlich zertreten werden. Diesen Gedanken verbannte er schnell wieder aus seinem Kopf.
„Was dauert denn da so lange?“, fragte Fynn, wobei die Frage mehr an ihn selbst als an die anderen gerichtet war.
„Ach Fynn, Ally ist doch gerade mal eine Minute weg. Ihr wird schon nichts passiert sein“, beruhigte ihn Noah.
„Trotzdem, ich werde jetzt nach ihr schauen“, entgegnete Fynn und wollte gerade aufbrechen, da bog ein großer dicker Kater um die Ecke und steuerte direkt auf sie zu.
„Na also“, sagte Noah und Fynn atmete erleichtert auf.

Ally, die winkend auf dem Rücken des Katers saß, schrie: „Hey Leute, darf ich vorstellen, das ist Moritz. Er wird uns die nächste Stunde ein wenig herumführen.“
„Hey Leute, was geht?“, sagte Moritz mit seiner gemütlichen Art. „Na dann hüpft mal rauf, und haltet euch fest. In einer Stunde müssen wir zurück sein. Da schließt nämlich der Markt und dann kommen auch die anderen Streuner und das Gerangel um die liegengebliebenen Essensreste geht los. Da will ich nich zu spät kommen, wenn ihr versteht, was ich meine.“ Dabei leckte er sich mit der Zunge einmal genüsslich über die Schnauze.
Nachdem sie sich alle mit Moritz bekannt gemacht hatten und auf seinen Rücken geklettert waren, ging es schon los.
Moritz kannte hier wirklich jede Gasse und jeden Hinterhof weit und breit. Einen besseren Fremdenführer konnte man sich wahrlich nicht wünschen.

Aber am interessantesten fand Fynn es, wenn sie von Fenstersims zu Fenstersims hüpften und er den Menschen zuschauen konnte, wie sie zu Abend aßen oder bereits vor dem Christbaum saßen und gemeinsam Lieder sangen.
Bei einer Familie waren sogar schon die Geschenke ausgepackt und es wurde fleißig gespielt. Vater und Sohn saßen auf dem Wohnzimmerboden und waren vollauf damit beschäftigt, eine Spielzeugburg aufzubauen, die der Kleine wohl bekommen hatte. Und wenn man den beiden zuschaute, dann wusste man gar nicht so genau, wer von ihnen eigentlich mehr Freude an der Burg hatte.

Aber Fynn entdeckte auch ein kleines Mädchen, das bei seiner Mutter auf dem Schoß saß und der die Tränen nur so über die Wangen liefen.
„Es tut uns leid“, sagte die Mutter mit tröstender Stimme und streichelte ihr über den Kopf. „Wir haben zu spät nachgeschaut und es gab nirgendwo mehr kleine Kätzchen zu kaufen.“
Der Vater ergänzte den Satz: „Aber wir werden versuchen zu Ostern ein Kätzchen für dich zu finden, versprochen, Liebes.“
„Ab ... aber ... i ... ich ...“, begann die Kleine schniefend und mit zitternder Stimme.

Den Rest hörten sie nicht mehr, denn schon beugte sich Fynn nach vorne: „Du, Moritz, gibt es hier in der Stadt nicht irgendwo ein kleines Kätzchen, das ein warmes Zuhause braucht?“
„Klar gibt es die, warum fragst du das?“, kam die verwunderte Antwort von Moritz.
„Weißt du, da drinnen ist ein kleines Kind, das sich ein Kätzchen wünscht und die Eltern wären auch einverstanden.“
„Ich werd nich mehr. Alter, ist das echt wahr? Hahaha. Das glaub ich ja jetzt nich. Ein paar Straßen weiter sind zwei so kleene Dinger, die mir schon seit Tagen Kopfzerbrechen bereiten.“
„Zwei?“, fragte Fynn. „Aber was ist mit deren Mama?“
„Ich sag nur Straße und Auto, mehr sag ich nich. Denkt ihr, die würden auch beide nehmen?“
„Keine Ahnung“, überlegte Fynn laut, da wurde er schon von Ally unterbrochen.
„Das probieren wir einfach, dann wissen wir es. Kleinen Kätzchen kann doch niemand widerstehen.“
„Cool, das nenn ich Glück.“ Mit diesen Worten war Moritz schon vom Fensterbrett gesprungen und rannte die Straße entlang.

Die Freude bei den jungen Kätzchen war groß, als Moritz zu ihnen ins Versteck kam. Die beiden zitterten am ganzen Leib, denn der Geräteschuppen, in dem sie sich aufhielten, bot nicht sehr viel Schutz gegen die Kälte und die alte Decke, in die sich die beiden gekuschelt hatten, war nicht gerade warm.
Die Enttäuschung war allerdings groß, als die beiden bemerkten, dass Moritz ihnen nicht wie sonst etwas zu Essen brachte.
Doch nachdem ihnen Ally und Fynn erklärt hatten, was sie vorhatten, und Moritz bestätigte, dass dies das Beste war, was einer kleinen Katze mitten im Winter passieren konnte, waren die beiden ganz aufgeregt. Sie hüpften und wälzten sich, bis Moritz irgendwann meinte, sie müssten jetzt gehen. Nicht dass er nachher noch das Ende des Marktes verpasse und alle Leckereien von anderen stibitzt würden.

So machten sie sich nun zu acht auf den Weg, um ihren Plan in die Tat umzusetzen. Moritz erklärte den beiden Kätzchen, dass sie sich direkt vor der Eingangstür auf den Boden setzen sollten. Sobald die Tür geöffnet würde, sollten sie ganz laut miauen, damit die Menschen sie bemerkten.
Kater Moritz klingeltDas mit der Klingel war etwas schwieriger. Doch nachdem Pepe Moritz erklärt hatte, wie eine Türklingel eigentlich funktionierte und was im Normalfall passierte, wenn man darauf drückte, war der Rest ein Kinderspiel.
Moritz hüpfte erneut auf den Fenstersims und erreichte von dort aus gerade noch so den Knopf für die Klingel.

Schon war ein 'Ding-Dong' zu hören und Moritz schaute, dass er so schnell wie möglich zu Fynn und den anderen kam, die in einer dunklen Ecke auf ihn warteten.
Aufgeregt wie die beiden Kleinen waren, wollten sie schon hinter Moritz her, doch Noah erinnerte sie mit einem lauten „Nein, nicht hierher. Bleibt an der Tür“ daran, was sie zu tun hatten.
Dann öffnete sich schon die Tür und die Mutter schaute nach draußen. Wie auf Kommando begannen die Kleinen zu miauen. Und mit einem verwunderten „Das ist ja ... das ... Chris, kommst du mal schnell?“, nahmen die Dinge ihren Lauf. Nicht Chris war es, der zuerst an der Tür stand, sondern die kleine Tochter.
„Oh Mama! Ihr habt mir ja doch ... das sind ja zwei ... oh Mami, Papi darf ich die behalten? Biiiittöööö ... darf ich?“
Die beiden Kätzchen machten indessen ihre Sache gut. Denn sie schmusten schon um die Beine der Mutter, während die kleine Dame mit großen bittenden Augen zu ihrer Mutter aufsah.
Als wenige Augenblicke später der Vater an der Tür auftauchte, war die Entscheidung quasi schon gefallen und ihm blieb nichts anderes übrig, als sich von seiner kleinen Tochter mit Hunderten von Küssen überhäufen zu lassen.

Kurz bevor der Vater die Tür schloss, schaute er noch einmal in alle Richtungen, ob irgendwo jemand stand, dem er das alles zu verdanken hatte. Doch das Einzige, das er sah, war ein dicker Kater, der die Gasse entlang Richtung Marktplatz schlenderte und auf seinem Rücken ... nein, das konnte nicht sein. Chris rieb sich die Augen, und als er erneut in die Gasse schaute, war von dem Kater nichts mehr zu sehen.

„Du, Moritz“, wollte Ally wissen, „waren das eigentlich deine eigenen Kleinen?“
Diese Frage verblüffte ihn, und mit einem verstohlenen Blick Richtung Haus sagte er: „Mann, so genau weiß ich das nich.“
„Und du hast ihnen trotzdem geholfen? Warum? Kater sind doch normalerweise nicht so familiär?“, bohrte Ally weiter.
„Na ja, ich habe mich halt zurückerinnert, wie es mir damals ging, als ich zur Waise wurde. Das war wirklich eine harte Zeit und das, obwohl es Frühling war.“
„Ach Moritz, du bist ja so ein lieber Kerl“, kam es von Shen-mi, die von ihrer heutigen gemeinsamen Aktion begeistert war. „Ohne dich wären die beiden vielleicht schon tot.“
„Ach was, sei doch nich albern“, maunzte Moritz verlegen. „Trotzdem danke, und danke für eure Hilfe. Ohne euch hätte ich keine Ahnung gehabt, wie ich die Kleinen durch den Winter hätte bringen sollen.
So, jetzt aber Schluss mit der Gefühlsduselei. Es wird Zeit, dass ich euch zurückbringe. Hab heut schließlich noch was vor.“
Nachdem die fünf sich von Moritz verabschiedet hatten und Grey sie mit seiner Familie wieder aufgesammelt hatte, flogen sie glücklich und zufrieden in Richtung Berge, zu ihrem eigenen Weihnachtsfest.

Zurück an der Schule wartete Emie schon mit einem großen Topf Früchtepunsch auf sie. Zitternd vor Kälte, aber mit einem breiten Grinsen auf den Gesichtern standen sie am Feuer beisammen und erzählten Emie, Scott und Hendrik von ihren Erlebnissen in der Stadt.
Diese waren ganz begeistert von der Geschichte mit den Kätzchen und Emie meinte: „So sollte Weihnachten immer sein. Sich gegenseitig helfen und versuchen mit guten Taten die Welt ein bisschen schöner zu machen.“
Nachdem sie sich mit dem Punsch am Feuer gewärmt hatten, gab es Essen. Wie Ally schon erzählt hatte, gab es aus Tradition Käsefondue. Und als ob sie es gewusst hätten, hatten Emie und Scott tatsächlich gebrannte Mandelstücke mitgebracht. Fynn war begeistert und konnte am Ende dieses großartigen Abends nicht sagen, was ihm am besten gefallen hatte. Das Essen, das Singen oder die Geschichten, die Scott wieder einmal zum Besten gegeben hatte.

Nur eins war ganz sicher: Allys Geschenk war von allen das schönste!



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Über das Buch:

Cover Fynn & Ally – Band 1: Der Orden der Wächter

„Fynn & Ally – Band 1: Der Orden der Wächter“ handelt von einem jungen Kobold, der seine Kindheit mit den Tieren im Wald verbringt.
Die Erinnerung an seine Eltern ist verblasst, nicht aber sein Wunsch sie wieder zu sehen.

Eines Abends besucht ihn ein Fremder in seinem Haus auf der Lichtung, er sieht zum ersten Mal einen anderen Kobold und erfährt von der Welt außerhalb des Waldes. Der Kobold Hendrik hat von einer Geschichte eines verschollenen Kobold Babys gehört, das vor Jahren von seinen Eltern durch einen schrecklichen Zufall getrennt wurde. Durch einen Hinweis eines Tieres (die Kobolde verstehen die Sprache aller Tiere und arbeiten viel mit ihnen zusammen) machte Hendrik sich auf die Suche und konnte den kleinen Fynn tatsächlich finden, der sich mit der Unterstützung von Maulwürfen und eigenem Erfindergeist ganz gut geholfen hat.

Fynn beschließt dem Meister Hendrik nach dessen Erzählungen zu seiner Schule in den Bergen zu folgen, um bei ihm in die Lehre zu gehen, mit dem Ziel, eines Tages in den Orden der Wächter aufgenommen zu werden. Die Mitglieder dieses Ordens, allesamt Kobolde, haben sich verpflichtet die Natur, die Umwelt und die Tiere vor der mutwilligen Zerstörung durch den Menschen zu schützen.

Mit dem Verlassen des Waldes beginnt für Fynn eine Zeit voller Gefahren und Abenteuer, aber auch mit vielen neuen Freundschaften und Erkenntnissen, in der ihm bisher verborgenen Welt.
Angetrieben wird er von der Hoffnung und der Aussicht, seinen größten Wunsch erfüllt zu bekommen: ein Wiedersehen mit seinen Eltern.


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Im Kapitel „Weihnachten“ kommen folgende Charaktere vor; die Hauptfiguren sind natürlich Fynn und Ally.
Ally ist schon eine Klasse weiter wie Fynn, aber die beiden sind sehr gut miteinander befreundet.
Eine weiter Schülerin ist Shen-mi. Sie kommst aus China, und fängt so wie Fynn gerade mit der Schule an.

Ebenfalls im 1. Schuljahr ist Pepe, ein kleiner Kobold aus Spanien, der im Gegensatz zu manch anderen ganz hervorragend auf dem Rücken von Vögeln fliegen kann.
Der liebenswerte Noah, ein weiterer Schulkamerad, ist so wie Ally schon eine Klasse weiter als der Rest.

Alle gemeinsam wollen sie, nach Abschluss der Schule, in den „Orden der Wächter“ aufgenommen werden. Das ist, in diesem Buch, die weltweit größte Kobold-Organisation, deren Ziel es ist die Tiere und die Umwelt zu schützen.


Über den Autor:

Autor Michael Kneer

Michael Kneer
(Jahrgang 1979) ist auf dem elterlichen Bauernhof in Hausen bei Schelklingen (Schwäbische Alb) aufgewachsen. Noch heute verbringt er am liebsten seine Zeit in der Natur und mit Tieren.

Die Idee zum Buch Fynn & Ally kam ihm bei einem der Spaziergänge in den Wäldern um Ochsenhausen, seiner Wahlheimat. Von den ersten Zeilen kam es in nur einem Jahr zum fertigen Buch.

Und da die Reise von Fynn & Ally gerade erst beginnt, kann man sich auf weitere Bücher über die Abenteuer der kleinen Koboldfreunde freuen.


Kontakt:


Buch & Autor bei Facebook

Michael Kneer freut sich auch über Deine Meinung zur Geschichte: In der Gruppe vom Autoren-Adventskalender bei facebook


Am Ende dieses letzten Türchens lauert traditionell der Heilige Abend.
Die Adventskalender-Autoren wünschen allen Leserinnen und Lesern:

Frohe Weihnachten!

Auf baldiges Wiedersehen & Wiederlesen - in unseren Büchern, bei Veranstaltungen off- und online, oder spätestens hier im Autoren-Adventskalender, zum Osterspecial 2020 …

(Geschichten verpasst? Keine Hektik, heute schon gar nicht: Alle Türchen bleiben offen, blättert in Ruhe zurück. Über die Weihnachtsfeiertage, im neuen Jahr, oder sogar im Hochsommer …)


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