Frau am Ruder

Moderne Piraten und Piratinnen

Teil 1: Moderne Piraten haben viele Gesichter

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Teil 1, die harten Männer

Formen der Piraterie

Was sind moderne Freibeuter? Wo und wie agieren sie?
Mein Vater begegnete ihnen mehrfach auf See, mir selbst fielen neuartige, piratenähnliche Varianten in der Binnenschifffahrt auf. Da informiert man sich schon allein aus Betroffenheit und beginnt sich zu wundern. Denn die öffentlichen News sind nur die Spitze des Eisbergs und möglicherweise fallen unter dem Begriff der modernen Piraterie recht viele Ebenen in einen Topf.

Modernes und altes Schiff

Damit es nicht so trocken bleibt, beginnen wir mit einer wahren, nassen Begebenheit:


Ein fast normaler Tag an Bord

Seelenruhig konzentriert schraubte mein Vater an einem defekten Kessel, als der allgemeine Alarm schellte. Ein Signal, das nur bei höchster Gefahr eingeschaltet werden durfte. Was er hier im Maschinenraum während der Fahrt natürlich nicht hörte, doch das blinkend drehende, gelbe Alarmlicht reflektierte unübersehbar an allen Wänden, Leitungen und Motorteilen.

Mit fliegendem Blick vergewisserte sich der erfahrene Maschinen-Chief, dass kein Fehler in seinem Hoheitsbereich die Ursache sein konnte. Nein, die Welle drehte, der Hauptmotor schnurrte brav wie ein überdimensionales und ohrenbetäubendes Kätzchen, kein Hilfsmotor war ausgefallen, alle Messanzeigen und Monitore zeigten Standardwerte. Das Problem war irgendwo draußen.

Er sprintete die drei Treppen aufwärts, welche um die riesige Maschinenanlage herumführten. In Windeseile schoss er aus dem hinteren Aufbau des modernen Tankers heraus an Deck. Er sah sie sofort. Drei Punkte am Horizont. Grübelnd nahm der alte Seemann langsam seine Ohrenschützer ab und hängte sie über die nächstbeste Reling. Das schwere Schiff stampfte nun volle Kraft voraus, doch das war völlig zwecklos. Die leichten, flotten Schlauchboote näherten sich rasend schnell, schon waren es keine Punkte mehr, die bunten Farben der Gummirümpfe und Personen darin wurden erkennbar. Männer mit Maschinengewehren. Mehrere in jedem Boot. Demonstrativ stand einer aufrecht in der Mitte, das Gewehr geschultert, sein langes Haar wehte im Fahrtwind.
Das wirkte, wie es wirken sollte.
Aufgescheucht und planlos liefen die Mitglieder der Besatzung auf dem Schiff herum, riefen und schrien durcheinander. Jeder wusste, was da auf sie zukommt, aber keiner hatte eine rettende Idee. Immer wieder sahen sie zur Brücke. Schwarz und stumm reflektierten die Fenster ganz oben im vorderen Aufbau des Ozeanriesen, vom Kapitän ertönte kein Kommando. Was hätte er auch tun sollen, ohne Menschenleben zu gefährden, außer die Kapitulation vorzubereiten.

Stattdessen kam plötzlich Leben in den zweiten Mann an Bord, den Boss des Antriebs, meinen Vater. Er schickte einige Männer die Deckwasch- sowie die Feuerschläuche auslegen, sauste zur Wasserpumpe und manipulierte daran unerlaubt herum, um den Druck so hoch zu schrauben wie es nur möglich war.

Inzwischen waren die Schlauchboote am Ziel, Haken flogen, die ersten Enter-Leitern hingen hochgezogen am Schiffsrumpf. Die Matrosen wollten diese natürlich gleich wieder los werfen, doch die Piraten waren zu schnell und geübt. Angesichts drohender Gewehre und des einen oder anderen ratternden Warnschusses, zieht sich jeder unbewaffnete Mensch, der halbwegs am Leben hängt, mindestens auf die andere Seite des Decks, besser noch in den Aufbau zurück.

Mein Vater hing auch am Leben, aber er wusste, dass dieses nach einer erfolgreicher Enterung keineswegs sicher war. Gerade als der erste Pirat eine Strickleiter erklomm, kroch er auf dem Bauch übers Deck zur Reling, stand blitzschnell hinter der Stahlschanz auf und spülte den Angreifer mit unerwartetem Hochdruck aus dem Wasserschlauch von der Leiter.

Die an Deck verbliebenen Mannschaftsmitglieder jubelten, die Männer in zwei der Schlauchboote gerieten in Aufruhr, schrien in einer unverständlichen Sprache zu ihnen hinauf und schossen wild in der Luft herum. Das dritte Schlauchboot suchte den Heruntergespülten und zog ihn über den weichen Gummirand ins sichere Boot. Nach der Rettung starteten die Piraten sofort den nächsten Angriff, an zwei Leitern zugleich. Doch der gesehene Erfolg motivierte ein paar Matrosen, sie auf gleiche Weise mit den anderen Wasserschläuchen abzuwehren. Derweil gelang es meinem Vater und einem Steuermann, Haken loszuwerfen, beziehungsweise Leiter-Taue mit dem Bordmesser zu kappen.

Zu ihrem Glück waren es diesmal nur drei Boote, sonst hätte es vermutlich nicht geklappt: Nachdem mehrere Kletterversuche missglückt und einige Angreifer sowie Leitern geduscht und baden gegangen waren, fischten die Piraten ihren letzten Kollegen aus dem Meer, drehten ab und fuhren mit hohen Heckwellen davon. Der Spuk verschwand als drei Pünktchen am Horizont, wie er gekommen waren.

Im nächsten Hafen bestand mein Vater darauf, sofort Stacheldraht-Rollen zu besorgen. Die Reederei schimpfte zwar über den dadurch verlängerten, also teuren Aufenthalt, doch ohne ersten Ingenieur konnte das Schiff auch nicht weiter fahren. Und die Argumentation war infolge der Ereignisse einleuchtend. Künftig umwickelten sie die komplette Reling mit hohem Stacheldraht wie die Mauer eines Gefängnisses, was ein Erklettern des Schiffes fast unmöglich machte. Und die Wasserwerfer lagen immer bereit, bevor sie in unsichere Gewässer fuhren.

Diese und ähnliche Szenen erzählte mein Papa mir in den Achtziger und Neunziger Jahren. Ob wirklich immer alles so glimpflich ausging – auch für die Piraten – oder ob er für mich als Kind ernstere Folgen nur beschönigte, wird er mir wohl nie verraten. Aber ihr könnt euch sicher vorstellen, dass meine Mutter und ich ihn jedesmal nur sehr besorgt gehen ließen, wenn sein Landurlaub vorbei war.

Inzwischen ist er wohlbehalten in Rente - Mut, Stacheldraht und Wasserkraft sei Dank.
Denn an seiner Stelle fahren nun andere durch unsichere Gewässer, die inklusive ihrer Familien um ihr Leben bangen müssen.


Heutige Piraterie

Ja, es gibt sie also noch!
Die unerschrockenen Kerle, die Tod und Teufel nicht scheuen, um andere ihres sauer erarbeiteten Hab und Guts zu berauben. Wobei die Ansichten über verdienten Besitz unterschiedlich ausfallen. Manch moderne Piraten halten es gar für ihr Recht, ein paar reiche Reedereien um ihre Schiffe zu erleichtern, weil es für diese nicht ums Überleben geht. Ganze Landstriche, in denen sonst Hunger herrschen würde, leben davon und in diesen Regionen gelten die Piraten oft nicht als Verbrecher, sondern als äußerst angesehene Leute. Wie anno dazumal bei den legändären Freibeutern, werden im Hinterland und in den Familien dieser Menschen Raubzüge auf See als ehrenhafte Art gewertet, Geld zu erlangen und Reichtum zu vermehren.

Schnellboote Früher wie heute kommen sie blitzschnell wie aus dem Nichts, mit schnellen, wendigen Schiffen, allerdings sind diese nun quasi winzig im Vergleich zu den Fahrzeugen der Opfer. Oft sind es alte Fischerboote oder leichte, offene Holzboote Marke Eigenbau, mit ein, zwei oder gar drei leistungsstarken Außenbordmotoren hinten dran. Da diese kleinen Boote eine geringere Reichweite haben, ist die Gefahr in der Regel in Ufernähe größer als mehrere Tagesreisen von Land entfernt, mitten auf dem Ozean.

Die Piratenflagge nutzen die Speedbootpiraten nicht, denn der flatternde "Jolly Roger", auch "Black Jack" genannt, würde auf heutigen Ozeanriesen wohl niemand mehr stocksteif vor Angst gefrieren lassen. Es ist besser, sich möglichst lange unerkannt zu nähern. Abgesehen davon haben Schnellboote seltenst einen Flaggenmast.

Ladung und Schiff werden zwar nach wie vor manchmal entwendet, gelten aber nicht mehr vorrangig als Piratenziel. Erpressung für ein festgesetztes Schiff samt Mannschaft bringt schnelles Lösegeld. Nun ja, wen wundert es. Entführung und Menschenhandel fanden bereits die alten Segelschiffpiraten sehr lukrativ. Noch einfacher als Geiselnahme: Simple Entwendung von losen Wertgegenständen, Schiffskasse und sonstigem Bargeld von Bord. Neben Frachtschiffen werden ebenso gerne luxuriöse Jachten, Passagierschiffe sowie Ölplattformen eingenommen.

Für regelmäßige Überfälle ist seit langem die Straße von Malakka berüchtigt, doch auch in anderen Teilen Asiens, wie den Philippinen und dem Golf von Bengalen, lauern moderne Freibeuter. Gemeldet werden zudem Piratenangriffe aus Mittel- und Südamerika sowie Afrika. Aktuell besonders bekannt darunter sind die somalischen Piraten. Die legendäre Karibik bleibt auch heute nicht verschont, sogar in Indien gibt es nennenswerte Piraterie

Zusammengefasst sind die Weltmeere in Küstennähe ziemlich oft unsicher.

Nachdem die alten Formen der Seeräuberei mit den Segelschiffen am Horizont versanken und eine kleine geschichtliche Weile wenig spektakuläres geschah, erholte die Kriminalität sich vom Schreck über die Dampfschifffahrt und fanden die neuen Piraten ihre Nischen.
Inzwischen stellen sie wieder eine ernstzunehmende Bedrohung da, die durch Globalisierung und politischen Veränderungen akut zunimmt.

Und das Ausmaß ist vermutlich noch viel größer, als die steigenden Zahlen verraten: Aus Imagegründen und um Versicherungsprämien im Rahmen zu halten, verschweigen die Reedereien viele Übergriffe. Für manche davon scheinen wöchentliche Angriffe zur einkalkulierten Routine zu gehören, wie beim Supermarkt der Ladendiebstahl.


Maßnahmen gegen Piraterie

Dank digitaler Technik weiß jeder Reeder exakt, wo seine Schiffe sich befinden. Jede Unregelmäßigkeit von Kurs und Geschwindigkeit kann sofort bemerkt werden, auch wenn das Schiff keinen Notruf (mehr) absetzen kann. Wo der Schiploc-Sender an Bord versteckt ist, weiß nur der Eigner höchstpersönlich, während der gesetzlich verpflichtete Transponder für AIS (Automatisches Identifikations System) in der Kommandozentrale von Piraten leichter zu finden und zu deaktivieren ist. Doch jeder Vorteil hat seinen Nachteil: Mit dem AIS Signal kann sogar jedes Schulkind im Internet nachschauen, wo sich welches Schiff befindet. Das ist leider auch ein prima Planungssystem für räuberische Aktivitäten.

Führend in der Piratenbekämpfung ist das 1981 privatwirschaftlich gegründete "International Maritime Bureau" (IMB) mit Sitz in London. In Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias, haben sie ein Piraten-Zentrum. Es werden Piratenüberfälle registriert und analysiert, man arbeitet eng mit der Küstenwache und internationalen Kriminalitätsbekämpfung zusammen. Die Mitarbeiter warnen Schiffe vor möglichen Angriffen und helfen bei der Suche nach gestohlener Ladung.

Private Sicherheitsunternehmen bestücken die Schiffe mit Technik und schwer bewaffneten Begleitern, der Sektor boomt. Diese bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone, den Besatzungen sind Waffen verboten. Schon die inzwischen fast standardmäßig eingesetzten Wasserwerfer und Stacheldraht sind kritisch zu sehen. Denn ein bewaffnetes Schiff ist kein Handelsschiff.

Größte Schwierigkeit bei der Bekämpfung ist die Gerichtsbarkeit verschiedener Staaten und internationale Rechtsprechung auf See, durch verschiedene Zuständigkeiten in Hoheitsgewässern oder außerhalb der Meilenzonen. An Abkommen wird immer wieder gefeilt und gearbeitet. Ausführliche Daten, Zahlen und Fakten: Risikoanalyse Piraterie – Bedrohung auf See.


Phantomschiffe

Tauchen auf und verschwinden wieder: Sie wechseln Farben, Namen und Eigner wie wir unsere Unterhosen. Ist ein Seeschiff erst Mal in Piratengewalt und die Ladung verkauft, kann es umgetauft, optisch verändert und unter anderer Flagge neu angemeldet sowie vermietet werden. Nur, um dasselbe Schiff mit den ahnungslosen Charterern erneut zu überfallen: Mit dieser Art Phantomschiffe gelangen die Piraten leichter an Beute.

Einerseits scheint die Zahl der Phantomschiffe durch digitale Sicherungssysteme zu sinken, andererseits bieten exakt dieselben Systeme neue Verschleierungsmethoden für technisch gewiefte Piraten. Wer sich in das System hackt, kann nicht nur Position und Kurs eines gekaperten Schiffes fälschen, sondern sogar Schiffe die es gar nicht gibt - virtuelle Phantomschiffe - auf den Monitoren der geplagten Reeder und Gesetzesverfolger erzeugen.


Flusspiraten von heute

In dem großartigen Song "Piraten" singt die kölsche Band "Kasalla" von den einstigen Fluss-Piraten auf dem Rhein. Auf den fließenden Gewässern im Inland waren Piraten nicht nur für andere Schiffe gefährlich, sondern auch für die Landbewohner. Nun, das ist wohl wirklich Vergangenheit: Eine Stadt vom Wasser aus zu überfallen, scheint in diesem Jahrtausend recht ineffektiv. Deutlicher gesagt, total idiotisch.

Oder? Die Städte am Rhein scheinen sich da nicht so sicher zu sein – sie verschließen derzeit all ihre Häfen für die Binnenschiffer. Haben sie Angst vor Überfallen? Wohl eher nicht, sie tun es insbesondere zugunsten von Luxuswohnungen am Wasser, Sportschifffahrt oder sonstigen geldbringenden Freizeitangeboten. Für die Binnenschiffer ist ein Liegeplatznotstand entstanden, der einem Berufsverbot bald nahekommt. Noch beschränkt sich ihr Protest auf wildes Hupen und Gesprächsführung mit den Verantwortlichen. Aber in so manchem Schiffer regt sich notgedrungen das Piratenherz, die Verbotsschilder zu ignorieren und unkontrolliert an Land zu stürmen. Manche singen schon wie im Piratenlied, rette sich wer kann - wir legen an ...

Aber sofern das nicht eskaliert, gilt:
Überfälle von Schiff zu Land sind derzeit total out. Auch komplette Frachtschiffe werden auf den Binnenschifffahrtsstraßen heutzutage seltenst bis nie gestohlen, denn es gibt in schnell erreichbarer Nähe keine Käufer für so großes Diebesgut und die Entdeckungsgefahr vom Ufer aus ist viel zu groß: Wasserschutzpolizisten sind in regelmäßigen Abständen stationiert, patrouillieren mit ihren Booten und spätestens an der ersten Schleuse ist sowieso Schluss. Da lässt der Schleusenwärter einfach die Tür zu.

Überfälle auf still liegende Binnenschiffe im Hafen sind allerdings nicht ausgestorben. Nennen wir es lieber Wohnungseinbrüche, denn im Grunde ergeht es den Schiffern in diesem Punkt nicht anders als Landbewohnern. Nur zählt zum Diebesgut dann meist nicht nur ihr privates Eigentum aus der Schiffswohnung, sondern auch technische und digitale Schiffsausrüstung. Denn für Diebe, die sich nicht auf schiffsspezifisches spezialisiert haben, lohnt Aufwand, Recherche im Hafengebiet und höhere Entdeckungsgefahr auf den meist bewachten Schiffen nicht.

Häufiger als geplante Einbrüche sind darum Probleme mit spontanem Vandalismus, betrunkenen Jugendlichen oder Obdachlosen, die ein Plätzchen für die Nacht suchen. Letzteres führt manchmal zu zutiefst menschlichen Begegnungen, von Hilfe durch einen Arbeitsplatz in der immer Personal suchenden Branche bis zu Freundschaften, aber damit entfernen wir uns zu weit vom Piratenthema.
Eine neue Form Piraterie nenne ich den Schiffseinbruch dennoch, früher gab es nur keine Gelegenheit für Überfall bei Abwesenheit der Besatzung, weil immer eine Bordwache abgestellt war. Mancher Seemann mag mir widersprechen, die Grenzen der Definition sehe ich fliessend. Die Plünderung von gestrandeten Schiffen sowie Angriffe auf küstennahe Fahrzeuge galt als Strandpiraterie, auch hierzu bestehen Ähnlichkeiten.


Sport-Piraten

Schlimmer ergeht es dem Freizeitbereich. Auch in Jachthäfen kommen die Verbrecher meist über den Landweg und wegen der geringeren, Auto-Anhänger tauglichen Größe verschwindet so manches Boot komplett via die Straße. Vorzugsweise, wenn der Eigner sein Schiffchen bereits abholbereit auf den Bootstrailer gestellt hatte.

Analog zu Phantomschiffen oder auch Autodiebstählen, werden die gestohlenen Schiffe mittels Farbe, Name, kleineren Umbauten und Landesregistrierung unkenntlich gemacht und verkauft. Ob es in diesem Sektor auch richtige Phantomschiffe gibt, die wie in der Seeschifffahrt mehrmals systematisch zu den Piraten zurückkehren, ist mir nicht bekannt.

Am beliebtesten ist der Einbruchdiebstahl auf privaten Booten. Ganze Heerscharen von rücksichtslosen Ganoven haben es auf hochwertige technisch-nautische Geräte abgesehen, u.a. auch dekoratives Kupfer und Messing geht mit. Rund um die illegale Aneignung und den Weiterverkauf von Außenbordmotoren ist eine regelrechte internationale Mafia entstanden, vor der Bootsbesitzer in keinem Land dieser Welt sicher sind. Kaum jemand, der seinen Außenbordmotor nicht anschließt, doch hilft das gegen die Profis oft wenig. Die kleinen Maschinchen sind aber auch viel handlicher und unauffälliger mitzunehmen, als eine Kogge oder Galeere ...

Moderne Piraten haben es in einigen Punkten doch deutlich leichter als ihre historischen Vorbilder.


Historie versus Moderne – wie sehen wir Piraten gestern und heute

Frau Kapitän am Ruder Was träumen wir vor dem Fernseher, im Kino oder Theater von der großen Freiheit der Freibeuter. Wie himmeln wir sie an, diese amüsanten, heldenhaften oder tragischen Jungs, von Captain Jack Sparrow bis Klaus Störtebecker. Ohne mit der Wimper zu zucken, geht unsere Verehrung über Leichen. Der entscheidende Unterschied zwischen einem normalen Kapitän und einem Piraten ist nun einmal die gewaltsame Bereicherung am Eigentum anderer.

Aber das Erfreuen an Gewalttätern, deren Taten uns nicht selbst betreffen, ist ein allgemein menschliches Phänomen. Schon die alten Römer wussten um den Unterhaltungswert und Reiz von "Brot und Spiele für das Volk", dafür musste das Blut der Sklaven in der Arena fließen. In unserem Informations- und Medienzeitalter zeigt sich diese Neigung auf die Spitze getrieben: Ob Ballerspiel, Krimi, Horrorstory, Monster- oder Piratenfilm, macht moralisch gesehen wenig Unterschied.

Seltsamerweise bringen die meisten Medienkonsumenten den echten Piraten der Jetztzeit weniger Verständnis entgegen. Eben noch im Spielfilm genossen, empört man sich kurz darauf in den Nachrichten über das im Prinzip doch gleiche Geschehen. Vermutlich mangelt es den Gummibooten und Schnellfeuerwaffen an Segler- und Entdecker-Romantik. Und es ist zu nah. Man müsste sich eventuell eingestehen, dass es nach wie vor oft Not und ein schweres Schicksal ist, das Menschen in die Piraterie treibt.

Bei historischen Piraten nutzen wir dieses Wissen, um ihre Taten zu rechtfertigen.
Denn wenn sie gute Gründe für ihre Verfehlungen haben, wenn es quasi gar keinen anderen Ausweg für sie gab, dürfen wir sie moralisch trotzdem sympathisch finden.
Bei den modernen Piraten wollen wir die Taten nicht rechtfertigen.
Die wollen wir auf keinen Fall sympathisch finden!
Denn es könnte eigene Verantwortung für andere Teile der Erde bedeuten. Auf deren Armut unser Wohlstand basiert: Wer nichts mehr hat, wird Flüchtling oder Pirat. Je nach Möglichkeit und Veranlagung. Tief im Herzen wissen wir das alle, so sehr wir es auch verdrängen. Weil wir uns aber nicht ändern wollen, verdrängen wir das Innere im Äußeren, z.B. die Flüchtlinge. Und die Piraten.

Das ist natürlich nur eine Seite der Medaille. In manchen Regionen nutzen die Piraten ihren Robin-Hood Status gnadenlos zur Selbstinszenierung, doch in Wahrheit fließen die Gelder ins organisierte Verbrechen, dort gehen örtliche Fischer und Bevölkerung leer aus. Mit modernster Technik ausgestattet und Ausbildung in Camps, hat das Piratenwesen Mafia-Strukturen. Dagegen hat sich rigoroses Vorgehen und konsequente Strafverfolgung bewährt, seit es Piraten gibt. Dennoch oder gerade deshalb ist Entwicklungshilfe der logischste Weg, dem organisierten Verbrechen das Personal zu entziehen.

Denn die eine Wahrheit schließt die andere nicht zwangsläufig aus.

Moderne Piratinnen und Piraten

Inhalt Teil 1, Männer:
Moderne Piraten haben viele Gesichter


Inhalt Teil 2, Frauen:
Piratinnen gestern und heute

 


 

Zwei junge Frauen stehlen ein altes Schiff.

Wer wegläuft, kommt auch irgendwohin. Oder ist der Fluss das Ziel?

Die Schiffsdiebinnen

Sind sie schon Piratinnen, oder üben sie noch?

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© Rega Kerner, Quellen Teil 1 & 2: Erinnerungen und Erzählungen meines Vaters, des alten Seebären. Plus ein nicht mehr zurückzuverfolgendes Mischmasch aus Kinderbüchern im Kopf – aus meiner Kindheit sowie in den letzten Jahren meiner Tochter vorgelesen. Dazu Kenntnisse aus der eigenen Schifffahrtspraxis und das Ganze überprüft und ergänzt mit Wikipedia(LINK). Also keine Gewähr für Aktualität, Fehler und Gedächtnislücken. ;) Als Autorin interessieren mich mehr die Widersprüche als die Details zu aktuellen Ereignissen in bestimmten Regionen. Darüber schreiben die Zeitungsjournalisten genug.

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Historisches Schiff

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